Systemische Traumatherapie

Systemische Traumatherapie nach  Dr. Katja Schlemitz & Dr. Vera Popper

Die Systemische Traumatherapie (SST)  ist eine hochwirksame Therapie, die den durch ein Trauma belasteten Menschen wieder in Balance bringt.

Was passiert im traumatisierten Körper?

Bei zu hohem Stress schaltet der Körper bestimmte Hirnnerven ab. Ein alltagspraktisches Beispiel ist, dass wir bei Stress z.B. eher stolpern bzw. uns stoßen, weil der Körper Sehnerven für die Tiefenwahrnehmung abgeschaltet hat.

Auslöser für Stress (sog. Stressoren) können (1) körperlich / strukturell, (2) emotional / psychisch oder biochemisch (z.B. Impfung) sein.

Der Stressor erzeugt eine neurologische Dysorganisation (analog eines Kurzschlusses). Ergebnis ist ein pathologisches Muster, das im Körper gespeichert wird.

Das kann man sich vorstellen wie eine Art „Soll-Wert-Verstellung“: im Körper herrscht ein Zustand, der eigentlich nicht sein sollte, der aber durch Gewöhnung irgendwann zum neuen „Normalzustand“ wird.

Ein Alltagsbeispiel für eine Dysorganisation wäre ein Schleudertrauma nach einem Auffahrunfall: man sieht „nichts“ im MRT/CT, aber erlebt körperliche Symptome wie Kopfschmerz, Übelkeit oder Schwindel, die vorher nicht bestanden haben. Der Körper ist durch das Einwirken des Stressors in Dysbalance geraten und Strukturen wie Muskeln, Sehnen und Gelenke haben sich diesen Zustand nach dem Stressor gemerkt und sehen ihn als neuen „Ist-Zustand“ an.

Bei psychischen Stressoren herrscht dieselbe Analogie: Ich hab es nicht verdient, geliebt zu werden, weil ich nie geliebt wurde. Das ist der gewohnte Zustand, der als Ist, als Fakt oder „Wahrheit“ erlebt wird. Man könnte aber auch sagen: eine Seite in uns sagt, es IST so. Und dann sagt eine andere Seite, die sich an den früheren Zustand erinnern kann: es SOLL sich ändern. Bewusst-willentlich „geht“ ES nicht, weil körperliche Prozess, unwillkürliche und/oder unbewusste Prozesse immer stärker sind.

Auch hier seien als Alltagsbeispiel gutgemeinte, aber leider völlig sinnlose Ratschläge wie „sei doch mal fröhlich“, „entspann dich doch mal“, etc. angeführt, die für den betroffenen Menschen zumeist mehr entwürdigend als hilfreich sind.

Willentlich können bei Vorliegen von Dysbalancen vom Betroffenen im ersten Schritt vielfach keine Veränderung herbeigeführt werden. Aber wir können auf körperlicher Ebene Neuorganisation anstoßen und Symptome als Bedürfnisse verstehen lernen, um Lösungen zu entwickeln. Veränderungen können dadruch langfristig möglich werden.

Gemäß der Triade of Health (Körper/Struktur, Geist/Psyche und Stoffwechsel/Chemie), arbeiten wir auf mehreren Ebenen, um dem ganzen Menschen gerecht zu werden.

  1. Medizinisch – somatisch

Mittels Muskelfunktionsdiagnostik werden jene Muskeln identifiziert, die der Körper unter Stress nicht mehr ansteuern kann. Diese werden aktiviert, um die vorhandene Dysbalance / das Ungleichgewicht auszugleichen. Dadurch wird zuerst ein neuer – ausbalancierter – Soll-Zustand auf der ersten, der körperlichen Ebene, hergestellt.

Auch emotionale Dysbalancen werden „verkörpert“ und gespeichert. Das bedeutet, das bei jeder Dysbalance – auch der emotionalen – der erste und unmittelbar wirkungsvolle Weg der Zugang über den Körper ist. Wenn die körperlichen Dysbalancen bzw. die bisher noch nicht behebbaren (oder noch nicht therapiebaren) Spannungszustände aufgelöst wurden, empfiehlt es sich in den meisten Fällen, auf den anderen beiden Ebenen – Geist/Psyche und Stoffwechsel/Chemie – weiterzuarbeiten.

  1. Psychologisch – integrativ

Die psychologisch-integrative Therapie hat zum Ziel, die Sprache des eigenen Körpers kennen- und zur Entwicklung von Lösungen nutzen zu lernen. Jedes Symptom wird dabei immer als Ausdruck berechtigter (und noch nicht gelebter) Bedürfnisse verstanden, das übersetzt werden muss, um dem ganzen Menschen gerecht zu werden.

Um krankmachende oder ungewollte Muster zu verändern und neue gewollte Muster zu etablieren und Ziele zu erreichen, arbeiten wir in der Sprache des Körpers. Und dieser ist primär erreichbar über Bilder (direkter Zugang zum emotionalen System im Mittelhirn) und über sog. Somatische Marker (unmittelbare und unwillkürliche Körperreaktionen). Ziel der Integration ist eine gelingende Kooperation von bewussten und unbewussten / unwillkürlichen Prozessen („ICH will und ES geht“).

  1. Somatisch-funktioneller Transfer

Zur Unterstützung der neuen strukturellen Muster, bieten wir gezielt Bewegungstherapie an. So wird gelernt jene Muskeln, die bisher (im alten Muster) nicht ansteuerbar waren, wieder aktiv zu bewegen und willentlich anzusteuern. Das neue Muster kann selbstständig gestärkt und gefestigt werden.

  1. Sensomuskuläre Bewegungstherapie

Wenn Menschen sehr lange Zeit mit den Folgen eines Traumas gelebt haben, haben wir es als hilfreich erlebt, eine Therapie anzubieten, die zum Ziel hat, wieder zu lernen sich zu spüren. Durch die Sensomuskuläre Bewegungstherapie wird eine Harmonisierung aller Körperfunktionen möglich, deren Ziel die Verbesserungen sowohl des körperlichen als auch des emotionalen Befinden sind.